Wettervorhersage für die Arktis

Hamburg, 18.11.2016

Ein kleiner Blick ganz nach Norden, wo zurzeit erstaunliche Dinge passieren. Sie lassen sich am besten mit einer Reihe von Grafiken erklären. Die erste stammt von der Seite Arctic News: Es ist eine Wettervorhersage für morgen, Samstag den 19.11.2016. Die Polarregion wird demnach gut sieben Grad Celsius wärmer sein als im Durchschnitt der Jahre 1979 bis 2000.

arctic-forecastWettervorhersage für die Arktis. Quelle: Arctic News

Und das ist kein Ausreißer, das ist seit Wochen so, wie das dänische Meteorologische Institut zeigt. Seit etwa zwölf Wochen ist es nördlich des 80. Breitengrades wärmer als im Durchschnitt und zuletzt waren es sogar fast 20 Grad zu viel. Das lässt sich allerdings nicht direkt mit der Vorhersage oben vergleichen, weil die Zeiträume für die Bildung des Mittelwerts unterschiedlich sind, hier geht es um die Jahre 1958 bis 2002. Bitte auch beachten, die Zahlenwerte sind bei der dänischen Grafik in Grad Kelvin angegeben. Der Nullpunkt der Celsius-Skala liegt bei 273,15 Kelvin. Die Arktis sei „wahnsinnige“ 20 Grad wärmer als normal, schrieb dazu die Washington Post.

arctictempsdmiTemperaturen nördlich des 80. Breitengrads. Quelle: Dänisches Meteorologisches Institut

Die nächste Grafik zeigt, dass die übermäßige Wärme nicht nur an der Oberfläche herrscht, sondern vor allem in der Höhe. Das ist hier verwirrend aufgezeichnet: Die Höhe ist unten, die Meeresoberfläche oben. Da war es im Oktober 2016 auch mal ein wenig kühler als üblich (gemeint hier: im Durchschnitt über 1981 bis 2010). Aber darüber und bis weit nach Süden ist es deutlich zu warm, schreibt das National Snow & Ice Data Center der USA, von dem die Grafik stammt.

t-anomalyDurchschnittstemperaturen im Norden im Oktober, aufgetragen gegen die Höhe.
Quelle: NSIDC

Die Wissenschaftler erklären das mit sehr ungewöhnlichen Druckverhältnissen, die sehr viel warme Luft nach Norden lenken. Man kann das gut auf dieser Kartendarstellung erkennen, wo die warme Luft fließt. Außerdem sei das Meer sehr warm, weil es dieses Jahr sehr lange frei war und viel Sonnenlicht absorbieren konnte. Das hier gezeigte Niveau von 925 Hekto-Pascal liegt bei ungefähr 2500 Fuß, also 750 Metern. Und der 60. Breitengrad aus der oberen Grafik bildet hier unten den Rand der Abbildung. Er führt ungefähr durch Oslo, die Südspitze Grönland und an der Südküste Alaskas entlang.

airtempanomaly-karteDer Einstrom warmer Luft nach Norden. Quelle: NSIDC

Diese übermäßige Wärme hatte es auch schon im Frühjahr 2016 gegeben, wie ein weiterer Blick auf die dänische Grafik zeigt. Nicht ganz so spektakulär, aber deutlich. Eine Parallele zeigt sich in der Ausdehnung des Meereises. Dessen Größe schwankt mit den Jahreszeiten, für gewöhnlich überdeckt es im März die größte Fläche und erreicht im September sein Minimum. Zu dem Zeitpunkt hat 2016 keinen Rekord aufgestellt, aber im Frühjahr etliche Wochen lang. Und seit Mitte Oktober gibt es wieder jeden Tag einen neuen Tiefstand in der Zeitreihe.

charctic-interactive-sea-ice-graph-arctic-sea-ice-news-and-analysisDie Ausdehnung des Meereises in der Arktis im Vergleich der Jahre. Quelle: NSIDC

Gestern, am 17.11.2016, waren 8,62 Millionen Quadratkilometer Meeresoberfläche zu mindestens 15 Prozent mit schwimmendem Eis bedeckt. Das sind gut 400 000 weniger als im Rekordjahr 2012 und eine Million Quadratkilometer weniger als am gleichen Tag 2015. Nur so zum Vergleich: Deutschland hat etwa 357 000 Quadratkilometer Fläche. Normal ist das nicht.

 

 

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